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Manchmal ist auf die Italiener Verlass. Wie erhofft, war die Waage vor der Sicherheitskontrolle, mit der Ryan Air jetzt das Handgepäck prüft, verwaist. In Frankfurt Hahn musste ich wegen 1,2kg zuviel noch die Sonnencreme opfern, das Notebooknetzteil in die Hosentasche stecken und die gerade erworbene Zeitung beim zweiten Anlauf lässig unter den Arm klemmen: 9,9kg. Geht doch!Beim Abflug in Rom Ciampino läuft das sehr entspannt ab, auch die Plastikkästen für an der Durchleuchtung muss man sich selbst organisieren und auch wieder in den Kreislauf bringen.
Auf Deutsche ist fast immer Verlass. Es ist noch fast eine Stunde bis zum Abflug nach Hause (min. 20 min bis zum Boarding) aber seit die erste Handvoll sich am Gate angestellten, hat sich eine 35m lange geordnete 2er-Kolonne gebildet. Schön sieht das aus! Ich hole mit einen Espresso.
Zur Segelei. Die Frage "was wiegst du gerade" fiel merkwürdigerweise nicht, obwohl das auf der Melges24 normalerweise ein KO-Kriterium bei der Mannschaftssuche ist. Aber beim Schweizer Team Zero8 war noch Platz für 90kg, so dass ich mit meinen gerade in Frankreich erworbenen 80kg gut reinpasste. Und so kam es, dass ich über zwei bis drei Ecken mal wieder auf eine Melges24 kam. Punta Ala ist nicht das schlechteste Revier, das Hotel in Follonica war schon gebucht. Crewkleidung zum Segeln und für den Abend war vorhanden, daher reiste ich mit Handgepäck (siehe oben) auf Regatta.
Die Crew bestand aus den Eignern Michael und seiner Freundin Kibück am Ruder und Gennaker, dem Strategen U.P., Daniel am Rüssel (Gennakerbaum) und dem Baumniederholer (wird auf der Melges raumschots aus der Hand gefahren) und mir. Meine Jobs: Focktrimm, Gennakerfall hochreißen, selbigen durch die Halse fahren und mit Kibück und U.P. über die Taktik grübeln.
Tag 0: Donnerstag Mittag stehe ich etwas übermüdet im Hafen von Punta Ala. Die Sonne scheint, überall fleißegs Bootsbasteln und eine perfekte Kulisse mit Elba vor Augen. So weit so gut. Wir kranen ein und laufen zu einem Trainingsschlag aus. Das klappt bei 4-8kn Wind alles prima. Auf dem Wasser treffen wir auch die "No women no cry" von Eddy Eich mit Christian "Kicker" Schäfer am Ruder. Eine halbe Stunde gleichen wir an und sind zufrieden: Höhe und Speed stimmen. Wir fahren bei leichtem Wind in kurzer Welle die Fock schön rund. Abends checken wir im Hotel in Follonica ein und genießen ein leckeres italienisches Abendessen.
Tag 1: Wer hat denn nicht auf's schwarze Brett geschaut? Steuermannsbesprechung und 1. Start sind eine Stunde verschoben worden. Warum auch nicht, es regnet aus Eimern und die Italiener haben noch weniger Lust als wir, auf's Wasser zu gehen. Die über 50 Boote der strikten Einheitsklasse am Steg bieten aber trozdem ein beeindruckendes Bild und ich freue mich riesig auf die Segelei in diesem hochkarätigen Feld. Da wird aber zunächst nichts draus, denn nach einem halben Rennen bei abflauendem Wind schickt man uns wieder rein. Etwas enttäuscht beschließen wir irgendwann, uns etwas Koffein zu gönnen und haben kaum bestellt, als es heißt: Auslaufen! Es läuft zunehmend besser und nach einem mühsamen 30. im ersten Lauf fahren wir im zweiten Rennen auf Platz 17. Danach lecker Essen und freuen auf den nächsten Tag.
Tag 2: Der Wetterbericht hält, was er verspricht und die Sonne scheint fröhlich vom Himmel. Der Wind ist wie am Vortag mäßig. Naja, vielleicht baut sich noch ein Seewind auf. Großes Grübeln über das Phänomen der Thermik. Wird der Wind rechts drehen, wenn ja, wann und wie stark? Oder bleibt es beim Gradientwind aus Südost? Die Bedingungen erweisen sich als extrem konstant, es geht hier wirklich um jedes Detail. Da können wir vorne nicht mithalten und fahren dreimal in den 20ern. Schon die Starts sind einer außerordentliche Herausforderung in diesem Feld. Kein Start ohne Wiederholung und Verschärfung, das Feld liegt wie am Lineal gezogen an der Linie und ab und an dürfen wir bewundern, wie die Profis aus dem Stand beschleunigen und davonschnurren. Immerhin sind wir recht früh vom Wasser und der Yachtclub Punta Ala lädt zur Pasta Party. Wir betreten das Clubhaus am Ende des Hafens und stehen im ersten Stock vor dem Louis Vuitton Cup aus dem Jahr 2000. Aha, hier ist also Luna Rossa zu Hause. Die Italiener gewannen damals mit Steuermann Francesco di Angelis und Taktiker Torben Grael die Herausfordererrunde im Finale gegen America One, gesteuert von Paul Cayard. Zur Party geht es auf die Terasse und wir genießen einen schönen Ausklang am Swimming Pool in der Abendsonne mit Blick auf's Meer.
Tag 3: Big day! Bereits morgens früh biegen sich die Palmen und die Boote zerren unruhig an den Mooringleinen. 15-19kn sind angesagt, der Himmel sieht düster aus, aber das ist Melges-Wind, dafür sind die Raumschots-Gleiter mit dem 62qm großen Gennaker gebaut worden. Eine der drei Lagen Kleidung ziehe ich nach kurzer Überlegung wieder aus, denn heute wird sicher ein "heißer" Tag werden und Bewegungsfreiheit notwendig. Der erste Start ist um 10:00, drei Wettfahrten sollen nochmal gesegelt werden. Die Kreuz ist lang und es hat sich eine unangenehme Welle aufgebaut. Leider haben wir Probleme, das Boot vernünftig einzustellen, wir verlieren immer wieder Höhe an der Kreuz. Unsere Starts sind gut, überdurchschnittlich gut, aber nach wenigen Metern fallen wir bereits zurück und segeln in den Abwinden der anderen. Dann um die Luvtonne, Abfallen und den Gennaker hoch. Nur noch ein Surren ist zu hören, als das Boot beschleunigt und lässig die 15kn-Marke überschreitet. Gelegentliche macht sich Hektik um uns herum breit, wenn ein Gennaker platzt oder ein Boot in die Sonne schießt, aber bei uns geht es bis auf eine Eieruhr in der Halse alles gut. In der nächsten Wettfahrt ähnliche Bedingungen und dann geht es los: in der dritten Wettfahrt des Tages erwarten uns an der Luvtonne mehr als 25kn Wind. Irgendwo fällt eine Fock auf Deck und der Mast um, das Wasser fliegt in weißen Streifen von den Wellenkämmen weg. Die Boote kämpfen sich mit killendem Groß um die Luvtonne. Nach kurzem Zögern reiße ich am Gennakerfall und suche Halt, da ich außer in der Halse, raumschots nichts zum Festhalten habe. Daniel fährt und fiert ständig den Baumniederholer, damit das Boot nicht in die Sonne schießt, Kibück fährt den Gennaker, dort greife ich gelegentich mit ein. Miggel steuert unseren Tiefflug souverän durch die Wellen und U.P. versucht sich im Heckkorb schwer zu machen, damit wir nicht unterschneiden, und sagt die Böen an. Ein fröhliches Beisammensein in der hintersten Ecke des Cockpits. Fast wie auf der Couch, wäre da nicht das fliegende Wasser und das Surren des Kiels, das jetzt eine deutliche höhere Frequenz hat. Großartig! Irgendwie zaubern wir dann auch die Halse zurecht und kommen auch durch diese Wettfahrt unfallfrei. Dann ist endlich Schluss und das ist auch ganz gut so. Die Sache ist ziemlich kräftezehrend und das Hängen über dem Relingspolster auf dem langen Kreuzen nicht gerade komfortabel. Gerade in der Welle machen sich die Abnutzungsspuren auf den Hüftknochen schmerzhaft bemerkbar.
Dann Einpacken und Verabschieden. Falls sich die Möglichkeit bietet, werden wir auf jeden Fall nochmal zusammen segeln. Ich bleibe am Hafen zurück und warte auf meine Mitfahrgelegenheit nach Rom zum Flughafen, mit vier schönen Segeltagen mit einem netten Team in einer tollen Bootsklasse in der Erinnerung.
Video vom 3. Tag: http://www.youtube.com/watch?v=dX_ahT4Swto&feature=related
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