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Wir hatten uns etwas Neues ausgedacht für die German Masters der J22 am Möhnesee.
Nachdem Falko die Regatten in Holland gesteuert war, stellten wir die Crew um. Annka übernahm das Ruder und Falko rutschte nach vorne um die Taktik zu machen und den Spi zu fahren. Die Fock blieb in den Händen der souverän agierenden Annabelle und auf dem Vorschiff arbeitete Gina gewohnter zuverlässig. Das Feld von 9 Booten war der ideale Einstieg für Annka, um mit der JetSCReam im Regattafeld etwas vertrauter zu werden und die Windbedingungen am Möhnesee würden sicher die eine oder andere taktische Rafinesse erfordern.
Annabelle fischten wir auf der Anfahrt in Idstein an der FH auf und ein paar Stunden später schwamm die JetSCReam schon im Möhnesee. Verpacken, Kranen, Mast stellen und das ganze Drumherum sind für das gesamte JetSCReam-Team nach einem halben Jahr schon Routine geworden. Rechtzeitig zur zweiten Halbzeit Holland- Frankreich schafften wir es in die nächste Kneipe.
Samstag zeigte sich der See wie im April mit Sonne, Schauern und entsprechend "lustigen" Windbedingungen. Gut wir fuhren ein paar Testschläge, dann war Steuermannsbesprechung und los ging's. Anscheinend waren wir trotz der guten Vorbereitung aber noch nicht ganz angekommen, denn das Feld fuhr konsequent vor unserer Nase herum. Was war passiert? Eigentlich gar nichts, wir hatten nur viele kleine Fehler gemacht, die uns eigentlich nicht (mehr) unterlaufen sollten. War das mit dem Tauschen eine gute Idee? Das Rennen war eng, vielleicht war es die Nervosität, also einfach nochmal segeln und diesmal die ganze Routine ausspielen.
Der Start zu 2.Wettfahrt war kein Knaller, aber wir konnten einen Schlag nach links mit freiem Wind machen. Dort wollten wir auch hin, denn die Böen kamen oft von links, insbesondere in der Nähe der Luvtonne. Der Dreher kam auch prompt und diesmal sah es schon ganz anders aus: das ganze Feld hinter uns. Jetzt hieß es Ruhe bewahren und das Feld kontrollieren. Letzteres ist nicht so einfach auf einen See, auf dem sich laut Insidern gelegentlich Boote unter Spinnaker entgegen kommen. Irgendwie funktionierte es aber. Absolute Konzentration und gutes Zusammenspiel zwischen Annka und Annabelle, die die Fock an der Kreuz ständig aus der Hand fuhr sicherten eine gute Bootsgeschwindigkeit und wir waren 1. im Ziel. Hmmm, es geht also doch?!
Die nächste Wettfahrt mit einem 2. Platz zeigte, dass es nicht nur ein glücklicher Ausrutscher war.
Nach dem Zieldurchgang zogen plötzlich dicke schwarze Wolken auf und wir ahnten Schlimmes. Schwupps, schon lag hinter uns eine J22 mit dem Mast kurz auf dem Wasser, bevor sie sich aber schnell wieder aufrichtete. Böen mit 7-8 Bft. sorgten für lustige Szenen auf dem Wasser. Das Gröbste zog jedoch schnell vorbei und bei 5-6 ging es in die 4. Wettfahrt. Trotz spätem Start konnten wir über rechts mit besserer Geschwindigkeit auf die 2. Position vorsegeln und hielten diese auch gut, bis zur letzten Runde. Dann erschien der Spi an der Luvtonne in der bekannten stark taillierten Form und diese Eieruhr hielt sich standhaft, als wäre die Zeit stehen geblieben. Wir standen dadurch auch und ließen die anderen von dannen ziehen. Schade, da wir bis dahin auch die böigen Spikursen fehlerfrei bestanden hatten und Gina auf dem Vorschiff richtig geackert hatte. Zwischenstand am Samstag Abend: 3. Rang mit wenig Platz nach hinten, aber auch dicht an den beiden führenden Teams. Wir hatten uns das Steak und das Bier sicher verdient und krochen auch recht früh im Bus in die Schlafsäcke.
Sonntag gab's wieder leckeres Frühstück im Club und gut gestärkt ging es um 11:00 Uhr zur Entscheidung auf's Wasser. Unsere Starts wurden besser und mit einem Start-Ziel Sieg in der 5. Wettfahrt lagen wir gut im Rennen um dem Titel. Der Wind flaute nach dem Lauf etwas ab und wir waren gerade am Umtrimmen, als plötzlich in Lee eine J22 auftauchte, die uns nicht gesehen hatte. Wir (als Wegerechtsboot) riefen, Annka versuchte noch das Unvermeidbare zu verhindern, aber da krachte es auch schon. Heftige Macken am Süllrand waren die Folge und es herrschte kurz Aufregung. Die Situation war aber schnell geklärt, das versicherungstechnische Gespräch auf später verschoben, die Macken mit Tape geklebt und wir versuchten uns auf die letzte Wettfahrt zu konzentrieren.
So ganz gelang uns das nicht, der Start an der Tonne ging etwas daneben und mit einer Wende auf engstem Raum rettete uns Annka auf den bevorzugten Bug zur Luvtonne. Trotzdem lagen wir nur auf Rang 7 und der Wind hatte so stark links gedreht, dass statt einer Kreuz zwei Anlieger (einer mit einer ohne Spi) zwischen den Tonnen zu segeln waren. Eine sehr schwierige Situation, denn es blieben kaum taktische Möglichkeiten. Wir arbeiteten uns jedoch entschlossen bis auf Zentimeter ans Heck der Gegner, es gelang uns zwei Boote zu überholen und bis zur letzten Tonne hatten wir uns an die führende Vierergruppe herangekämpft.
Wolken waren aufgezogen und dicht hinter der Konkurrenz rundeten wir das Gate (die beiden Leetonnen), entschieden uns jedoch entgegen unseren Gegnern für die rechte Seite, von der wir den Wind nun erwarteten. Es kam wie geplant (selten genug) und plötzlich lagen wir hinter dem Führenden, noch zwei Wenden und wir waren im Ziel. Beifall der Regattaleitung begleitete uns über die Linie und dann wurde uns klar, wir hatten soeben die German Masters gewonnen.
Fazit: Die neue Aufteilung war erfolgreich. Es zeigte sich, dass die viele Zeit, die wir im letzten halben Jahr auf der JetSCReam verbracht hatten, gut investiert war. Und wenn Falko als Coach gelegentlich ziemlich "deutlich" gewesen war, versüßte das Ergebnis manches etwas bittere Gespräch über das Wer, Wie und Wann. Das Boot ist in der Reparatur und wir hoffen, über den Sommer viele Neugierige auf der JetSCReam begrüßen zu dürfen und das Team durch weitere Segler vergrößern zu können.
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