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3. Lauf der Winterserie am Braassemermeer 15./16. Dez. 2007:
Eine schöne Stimmung auf der Heimfahrt. Wir sind unterwegs auf der A12 in Richtung Arnheim. Der Himmel im Auto übertrifft den makellosen Sonnenuntergang deutlich an Attraktivität. Über unseren Köpfen liegen gut verstaut die beiden Segelsätze der J22.
Seit gestern Mittag 12:30 ist der Segelclub Rheingau Eigner der J22 mit der Segelnummer 1399. Das schnelle Boot (der Vorbesitzer Tjarco Timmermans ersegelte Podiumsplätze auf Welt- und Europameisterschaften) stellte sich als das beste unter vielen Angeboten heraus, die wir in den letzten 6 Wochen zu beurteilen hatten.
Nachdem wir mit einem etwas tintenarmen Kartenausdruck und holländischer Hilfe in Utrecht zu Tjarco gefunden hatten, war es nur eine Sache von wenigen Minuten, bis der Vertrag unterschrieben und Geld gegen Papiere eingetauscht war. Schnell machten wir uns wieder auf den Weg nach Roelofvarendsveen, um die neue Errungenschaft auszuprobieren.
Mit ehrfürchtig gesenktem Blick standen wir vor dem Trailer mit "unserem" Boot und fragten uns, ob das nun wirklich alles sei: den Heißstrop anbringen, einkranen und segeln gehen. Jawohl, schon waren wir auf dem Weg zum Kran (mit Selbstbedienung). Es schwamm tatsächlich.
Wir hatten uns beim Aufbau Zeit gelassen, um die Einzelheiten des Boots kennenzulernen und so war es schon recht spät, als wir uns an den Dalben aus dem Hafen hangelten, um einen Testschlag zu machen. Der Wind wehte aber noch stetig mit 4-6 kn aus Osten. Eine Gruppe trainierender J22 und die MatchRace-Teilnehmer liefen gerade ein. Thomas Lösch mit seiner „JouJou“, das andere deutsche Team, war jedoch noch auf dem Wasser und nahm gleich Kurs auf uns. Zwei, drei Wenden und dann waren wir auch schon an der Tonne, die als Luvmarke ausgesucht wurde. Nun hieß es das erste Mal "Spi hoch". Das Ergebnis war zunächst nicht ganz zufriedenstellend, aber nach kurzer Zeit stand der Spi und nachdem wir auch noch eine Halse getestet hatten, ging es mit einem zufriedenen Grinsen in die untergehende Sonne hinein. Von der Kälte, die uns an Land noch Angst um den einen oder anderen Fußzeh haben ließ, war nichts mehr zu spüren.
Nach dem Anlegen und einem Bier an der Theke des Clubs war das nächste unvermeidliche Ziel das Pannekoekehuis an der Autobahn nach Leiden. Hunger wies den Weg und wir schlugen ordentlich zu. Danach ging es weiter nach Leiden, wo wir instinktiv eine nette Kneipe fanden. Etwas später gesellte sich auch die JouJou-Crew zu uns.
Nach einer Nacht im VW-Bus (Hoch lebe der Erfinder der Standheizung!) klirrten morgens die Eisschollen im Hafen, als die weiteren Teilnehmer ihre Boote einkranten. Tjarco, der uns dankenswerter Weise angeboten hatte, die erste Regatta mit uns zu fahren, war rechtzeitig zum Kaffee da. Mit ihm kam Ivan Peute, sein Trimmer, der als Mitglied der „MeanMachine“-Crew von Peter de Ridder schon deutlich berühmtere Segler als uns an Bord hatte.
Das Boot lag bereits fast segelfertig am Steg, aber im Schatten, und eine ordentliche Schicht Raureif machte den ersten Sprung an Deck zu einer recht spannenden Einlage. Es gelang uns jedoch ohne übermäßige Erheiterung der Umstehenden an Bord alles klar zu machen und in die Sonne zu segeln, die das Deck manöverfertig auftaute. Ein paar Wenden und Halsen zum Einsegeln hatten wir nötig, die Bedingungen waren mit 5-8 Knoten Wind aber ideal. Tjarco war am Ruder, Gina als Pit(wo)man in der Mitte mit Tjarco als Trimmer und ich fand mich auf dem Vorschiff wieder. Großartig: ein symmetrischer Spibaum, an dessen Verwendung ich mich nur vage erinnern konnte.
Zumindest blieb vor dem Start Zeit, um Tjarco mit Fragen zu Trimm und Handling der J22 zu überschütten, dann war es auch schon soweit. Wir krochen auf die bevorzugte Starttonne zu. Nach mehreren Anläufen mit Gesamtrückruf kamen wir gut raus und kreuzten über links zur Luvmarke und reihten uns bei den ersten ein. Es galt bei diesem leichten Wind vor allem, Strichemit mehr Druck zu finden, weniger nach Drehern zu segeln. Die Abstände waren eng und man schob sich mal einen Platz vor, verlor wieder ein paar Meter, eine Regatta, wie sie sein muss. Tjarco behielt jedoch den Überblick und steuerte uns souverän zu einem zweiten Platz.
Nun tauschten wir und ich übernahm den Platz im Heck. Tjarco ging auf den Bug und Annabelle stieg für Gina an Bord. Sonderlich viel Zeit blieb uns nicht zum Einsegeln bis es wieder an den Start ging. Immer noch links war angesagt, es wurde eng und schnell waren wir wieder bei der schwarzen Flagge angelangt. Trotzdem links, etwas verhaltener, aber der Start glückte auch. Das Boot ist wirklich schnell und wir konnten die Nase aus dem Feld rausstrecken. Wir redeten ständig (auf englisch) und der Kopf lief mit Informationen voll, wie das Boot zu segeln und wo der Wind zu finden sei. Interessanter Aspekt: Ivan fuhr die (einmal untersetzte) Fock quasi aus der Hand um bei plötzlichen raumenden Drehern (auch durch einsetzende Böen) sofort fieren und die Strömung anliegen zu lassen. Der verzögerten Reaktion des Bootes beim Anluven kann dadurch entgegen gekommen werden. Ein kurze Mitteilung „Lift“ und man luvte, bis ein „Stay“ zu hören war und die Fock wieder vollständig dicht war.
Die Wettfahrt lief fast wieder nach Plan, bis wir doch einmal die rechte Hälfte der Kreuz für besser erachteten. Der Wind von links setzte ein und wir fanden uns an der Luvtonne an vierter Stelle wieder. Der Wind war nun etwas schwächer geworden und wir kämpften vor dem Wind Halse für Halse um jeden Meter, holten noch auf, konnten aber keinen Platz mehr zurückholen.
Egal, es war ein toller Tag auf einem tollen Boot und wir waren einfach begeistert. Auf den Gedanken, was passieren würde, wenn wir uns ohne die Unterstützung von Tjarco und Ivan auf die Piste wagten, kamen wir gar nicht. Das Rennen um den Kran hatte gleich nach Zieldurchgang begonnen. Das Adrenalin baute sich langsam ab. Dann wurde es uns klar: das war erst der Anfang!
Falko Braun / Annabelle Kaiser / Gina Hess
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