(Einige der großartigen Bilder von Wolfgang gibt es hier -> klicken!)
Antarktis – Klirrende Kälte. Hohe, schneebedeckte Berge. Gletscher. Riesige Eisberge in tiefblauer See. Die Lebensfeindlichkeit dieser Landschaft fasziniert die Menschen seit Jahrhunderten. Auch heute noch kann die Antarktis eine Herausforderung sein. Dann, wenn man sich ihr so nähert wie einst die Entdecker Drake, Cook, Shackleton, Scott und Amundsen, der erste Mensch am Südpol. Möglich ist dies mit der Bark EUROPA, einem fast hundert Jahre alten Windjammer.
Unsere Reise beginnt mit einem langen Flug von Frankfurt über Rom und Buenos Aires nach Ushuaia, der südlichsten Stadt Südamerikas, die sich bis heute etwas vom rauen Charakter eines Außenpostens der Menschheit bewahrt hat. Am langen Kai ihres Naturhafens liegt die EUROPA.
Sie ist aus Stahl .1911 als Feuerschiff „ELBE 3“ gebaut. Von 1986 bis 1994 wurde sie in Holland restauriert und mit drei Stahlmasten versehen, die bis zu 30 Segel tragen können. Dies entspricht einer Segelfläche von 1250 m². Die beiden vorderen Masten haben je fünf stählerne Querbalken, die sogenannten Rahen, an denen die Quersegel gesetzt werden. Daher spricht man bei solchen Schiffen von Rahseglern. Die EUROPA ist 55 Meter lang und fährt unter holländischer Flagge.
Der Empfang ist freundlich. Wir werden durch das Schiff geführt und bekommen unsere Kabine gezeigt. Für die zahlenden Gäste, die hier Trainees heißen, da davon ausgegangen wird, dass wir beim Segeln mithelfen, gibt es 11Kabinen. Zwei Zweier-, fünf Vierer-, und vier Sechser Kabinen.
Ein dreimaliges schrilles Kreischen der Bordsirene ruft uns an Deck. Ein kalter Wind treibt schwere schwarze Wolken in die von Bergen umgebene Bucht von Ushuaia, deren Spitzen verschneit sind. „Das also ist Sommer hier“, murmelt einer der sechsunddreißig Mitsegler, die sich nach und nach an Deck einfinden. Ehrfurchtsvoll schauen wir hoch an den hohen Masten mit ihren zahllosen Leinen.
Wir werden begrüßt von Kapitän Klaas und seiner Mannschaft: sechs segelnde Crewmitglieder, der Ingenieur, der Koch, dem zwei Küchenhelferinnen zur Seite stehen und der Biologe Jan, der die Reise wissenschaftlich begleitet. Leider bekommen wir die Crew nicht vorgestellt.
Der Kapitän ist freundlich aber nicht sehr kommunikativ. Wir erfahren, dass wir morgen in Wachen eingeteilt werden, und es vermutlich Sturm geben wird. Um in die Antarktis zu kommen, müssen wir über die Drakestrasse, eine Strecke von ungefähr 600 km offener See.
Dann unser erstes Essen. Wir holen es ab an der Theke der Galley wie die gut ausgerüstete Küche hier heißt. Es ist gute Hausmannskost und reichlich. Der Koch ist Holländer wie der Kapitän, die meisten der Crew und die meisten der Gäste. So lernen wir auf unserer Reise manche Spezialität der holländischen Küche kennen. Leider bestimmt die Überzahl der Holländer auch die Schiffsprache. Sie sollte eigentlich englisch sein, ist aber weitgehend holländisch. So sind die restlichen Ausländer, außer Deutschen ein Venezolaner, ein Portugiese, Engländer, Amerikaner, Neuseeländer, Australier teilweise recht hilflos.
Der nächste Morgen erwartet uns mit kaltem, böigem Westwind. Ab und zu kommt die Sonne durch die Wolken. Gegen elf Uhr legen wir mit der 356 PS starken Dieselmaschine und Bugstrahlruder ab. Kaum aus dem Hafen, werden die ersten Segel gesetzt. Nach kurzer Zeit heiß es „Maschine aus“ und wir erleben wie sich das Schiff unter dem sanften Druck seiner stolz geblähten Segel sanft in die Wellen schmiegt. Andächtig lauschen wir auf das Rauschen der Bugwelle, das Knarren der mächtigen Rahen und das Knattern und Schlagen der Segel, von denen immer mehr gesetzt werden.
Dann die Frage eines Crewmitglieds: „Wer von euch will in den Mast?“ Zögernd schauen wir uns an, aber die Verlockung ist doch zu groß. Unter kundiger Anleitung und gesichert mit einem Gurt macht es dann sogar richtig Spaß. Schwindelfrei sollte man allerdings sein. Nach der Arbeit hat man Zeit, den Traumblick von oben zu genießen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, „dem Himmel nah, gewiegt von der See“, wie es ein alter Fahrensmann beschrieben hat.
Als wir den Ausgang des Beaglekanals passieren, nimmt der Wind schnell zu und die lange Dünung der offenen See beginnt uns zu wiegen. Wir haben viel Segel gesetzt und das Schiff rauscht wie ein stolzer Schwan hinein in die unendliche Weite des Ozeans. Auf nach Süden! Pinguine, wir kommen!
Um halb drei Uhr morgens ist die Nacht für uns zu Ende. Es ist schon hell, denn jetzt im arktischen Sommer geht die Sonne nur noch kurz unter den Horizont. Das Schiff liegt stark auf der Seite. Mühsam wie das Erklimmen eines Berges ist das Aufstehen. Das Anziehen gleicht einem Tanz auf schwankendem Boden. Dann die Türe zum Deck aufgedrückt und du bekommst eine Ohrfeige von einem starken kalten Wind. Schlagartig hellwach, schaust du dich um. Die See hat weiße Schaumkronen und das Deck wird immer wieder überspült. Du hangelst dich an den Seilen entlang, die über Deck gespannt wurden. Der Blick geht über die weite aufgewühlte See und folgt einem riesigen Vogel, der majestätisch neben dem Schiff entlang gleitet: ein Wanderalbatros, mit über drei Meter Flügelspannweite der größte Seevogel der Region.
Dann wird der Wind stärker. Wir fahren in ein Sturmtief. Mehr Segel müssen geborgen werden. Also in die Masten! Jetzt ist das nicht mehr so einfach. Eine halbe Stunde dauert es bis wir zu zweit ein Segel geborgen haben. Dann folgt das nächste. Jetzt macht sich bemerkbar, dass wir nur noch wenige sind, denn die meisten der Trainees liegen seekrank in der Koje.
Nur noch wenig Segel stehen. Wir haben jetzt Sturm mit 10 Windstärken und einer Wellenhöhe von bis zu 11 Metern. Die Drakestrasse zeigt uns, dass sie zurecht als eines der stürmischsten Reviere der Welt gefürchtet wird. Unseren Skipper aber lässt das völlig kalt. Und seine Ruhe und Sicherheit überträgt sich auf uns, sodass das Segeln selbst unter diesen rauen Bedingungen Spaß macht.
Den ganzen Tag über hält der Sturm an. Dann nimmt der Wind schnell ab und es regnet heftig. Als hätte die Drakestrasse uns testen wollen, haben wir in den folgenden Tagen meist den für das Schiff idealen Westwind zwischen 3 und 5Windstärken. Das Wetter bleibt schlecht: Regen, schlechte Sicht, ab und an nur ein wenig Sonne. Je näher wir der Antarktis kommen, um so kälter wird es. Aus dem Regen werden Schneeschauer. Die Tage vergehen mit Ruderwache, Segelwechseln, Essen und Schlafen. Manchmal versuchen wir zu lesen, schlafen aber meist schnell ein über dem Buch.
Am vierten Tag unser erster Eisberg voraus! Schwer zu erkennen bei dem diesigen Wetter, aber er kommt schnell näher. Unbeschreiblich wie groß und weiß er ist. Wenig später sehen wir Land. Wir sind da, es sind die Südshetlandinseln. Um 4.00 Uhr früh ankern wir in der Discovery Bay auf 62°27´Süd und 59°42´West. Es ist unser sechster Tag auf der „Europa“. Die Sonne scheint. Sie beleuchtet Schneefelder und verschneite Berge, die malerisch die Bucht einrahmen. Darüber ein hoher azurblauer Himmel wie Glas. Und dann diese Stille – eine große, weite Leere, in der wir zu schweben scheinen. Wir flüstern unbewusst, um die Erhabenheit um uns herum nicht zu zerstören.
Bald aber kommt ein starker Wind auf und im Nu verschlucken dichte Wolken das Land und es beginnt zu nieseln. Es feucht-kalt und obwohl es wenige Grad über Null hat, frieren wir trotz unserer warmen Klamotten. Also schnell ins Schiffsinnere zurück. Aber gemütlich ist es dort auch nicht. Mit Ausnahme eines Raumes, des großen Decksalons ist nichts geheizt, also kann man sich nicht in seine Kabine zurückziehen.
Die EUROPA gehört zur International Association of Antarctica Tour Operators (IAATO), einer weltweiten Vereinigung von Veranstaltern für Antarktisreisen. Da mittlerweile jährlich fast 30 000 Kreuzfahrttouristen den siebten Kontinent besuchen, muss das empfindliche Ökosystem geschützt werden. Das ist Aufgabe der IAATO. Daher verpflichtet sich jeder vor dem Landgang schriftlich die strengen Naturschutzauflagen einzuhalten.
Unser erster Landgang auf Aicho Island. Am Tag zuvor hat unser Biologe Verhaltensmaßregeln für die Landgänge ausgegeben. Die Wichtigsten: Socken, Handschuhe, Mütze in Reserve mitnehmen, dazu Wasser. Wir gehen grundsätzlich nicht ohne Ölzeug an Land, da man immer damit rechnen muss, dass das Wetter plötzlich so schlecht wird, dass die Gruppe nicht mehr zum Schiff zurückgebracht werden kann. Desinfizieren der Stiefel vor Verlassen des Schiffs und nach der Rückkehr, um Übertragung von Keimen zu vermeiden. Anlegen der Schwimmweste. An Land deutlich Abstand halten zu den Tieren, vor allem wegbleiben von brütenden Pinguinen, darauf achten wohin man tritt, denn die Moose und Flechten, die hier allenfalls wachsen sind sehr empfindlich. Kein Rauchen, kein wegwerfen von irgendetwas, noch nicht mal Austreten ist erlaubt.
Bei den Landausflügen sind Gummistiefel absolut notwendig, da es keine Anlegestellen gibt und daher die Schlauchboote nur etwas auf den Strand gezogen werden.
Unter der kundigen Führung des Biologen wandern wir über die Insel. Zur Zeit brüten die Pinguine und wir lernen, dass es ganz verschiedene Arten davon gibt. Hier auf den Aicho Inseln leben die Esels- und die Zügelpinguine. Dann stoßen wir auf eine Gruppe Seelöwen, die wir zunächst für Felsen halten bis uns unser Biologe aufklärt. Die Aicho Inseln sind weitgehend schnee- und eisfrei, sodass wir eine Besonderheit der Antarktis sehen: die beeindruckenden Felsformationen. Immer wieder werden wir ihnen auf den verschiedenen Inseln begegnen, denn im Gegensatz zur Arktis ist die Antarktis ein Festlandkontinent mit gewaltigen Felsformationen und Vulkanen. Erst nach mehreren Stunden sind wir zurück. Auch bei unseren späteren Landausflügen haben immer viel Zeit und sind immer allein. Da unser Schiff nicht sehr groß ist, können wir auch enge Fahrwasser befahren, die größeren Schiffen unzugänglich sind. Außerdem gibt es eine Vereinbarung in der Antarktis, dass nie zwei Schiffe gleichzeitig an einer Insel ankern, denn es dürfen pro Tag immer nur 100 Personen an Land.
Von Aicho Island geht es am nächsten Morgen weiter über YankeeHarbour
nach Deception Island, eine Vulkaninsel, in deren Kratersee wir ankern. Es gibt eine verlassene Walfangstation zu besichtigen. Wir machen eine lange Wanderungen über die schwarzen mächtig hohen Aschendünen, von denen aus wir einen wunderschönen Blick über die ganze Insel hätten haben können, wenn nur endlich das Wetter besser würde. Aber Schneeregen und Nebel behindern die Sicht und bringen die Fotografen zum Verzweifeln. Dazu bläst ein eiskalter starker Wind, der uns oben auf den Lavadünen fast umwirft. Trotzdem baden später noch die ganz Abgehärteten in den Fumarolen.
Dann weiter durch die berühmte Gerlachstrasse nach Trinity Island. Das Wetter bessert sich. Zum ersten Mal Sonne und blauer Himmel. In einem tiefblauen Meer schwimmen riesige Eisberge, auf denen sich ab und zu Wedellrobben sonnen. Mit nahezu Vollzeug rauschen wir mit 6 Windstärken durch eine Märchenwelt aus Eis, Schnee und Wasser. Man hört nur das Rauschen des Schiffsbugs und das Singen des Winds in der Takelage. Wie in Zeitlupe gleiten an uns die schneebedeckten Eiszinnen der Berge von Trinity Island vorbei. Als wir am Ende der langgezogenen Insel ankern ist das Wetter schon wieder umgeschlagen. Schwere schwarze Wolken bedecken den Himmel, der Wind ist eiskalt. Mit dem Beiboot fahren wir in eine riesige Bucht voller großer und kleiner Eisberge. Die Fahrt durch diese Eisszenerie ist faszinierend: riesige Schneeüberhänge mit Eiszapfen, Eispaläste mit großen Toren, enge Pässe zwischen hohen Eiswänden. Am Beeindruckendsten aber sind die wundervollen Farben des Eises. Manche Eisberge leuchten von innen her in einem intensiven kalten Blau und das Meer um sie herum ist türkisgrün.
Unser nächster Halt :Cuvervill Island. Als wir uns der Insel nähern riechen wir sie und hören sie schreien, lange bevor wir sie sehen: Tausende von Pinguinen, die verstreut über die ganze Insel leben. Sie ist bis an den Küstensaum noch mit tiefem Schnee bedeckt, in den wir immer wieder bis über die Knie einsinken. Dicht hinter der flachen Strandzone steigen steile Berge in den grauen Himmel. Aber überall, selbst oben auf den steilsten Bergen nisten Pinguine. Die ganze Insel ist überzogen von Pinguinpfaden im Schnee, auf denen Pinguine in langen Reihen watscheln. Es sieht aus wie eine große Stadt mit vielen kleinen Kerlchen im Frack.
Unser nächster Ankerplatz ist Paradise Harbour, eine Bilderbuchbucht mit tiefblauem Wasser umringt von hohen schneebedeckten Bergen. Kurz bevor wir ihn erreichen wird ein „Mann über Bord Manöver“ durchgeführt. Es dauert sieben Minuten bis der, der den über Bord Gefallenen spielt, wieder auf Deck ist. „Nur“ möchte man meinen, aber unser Kapitän sagt trocken zu seiner Crew: „Der Mann wäre tot. Unterkühlt. Wir haben nur 2° Celsius Wassertemperatur und da darf das Manöver nur 3 bis 4 Minuten dauern.
Ein weiterer Höhepunkt ist der Lemaire Kanal. Diesmal haben wir richtiges Wetterglück: Als wir mit 6 Windstärken auf die enge Einfahrt zuhalten, reisst der Himmel auf, die tiefhängenden Wolken über den Bergen werden weggeblasen. Von den hohen schneebedeckten Berge, die den Kanal einrahmen, kommen immer wieder starke Fallböen, die das schwere Schiff jäh zur Seite drücken, sodass die gewaltigen Eisbrocken, die in dem erst seit einer Woche offenen Kanal treiben, bedenklich nahe kommen. Aber unser Skipper lässt sich davon nicht beeindrucken, und so durchsegeln wir bei strahlend blauem Himmel, und tiefblauer See, in der die Unterseiten der Eisberge grünlich schimmern, eine der schönsten Wasserstraßen der Welt.
Wir erreichen Argentine Islands, wo wir eine noch erhaltene Forschungsstation der Engländer aus den 50iger Jahren besichtigen. Die Station sieht im Inneren aus als wären die Leute gerade kurz hinaus gegangen. Es ist eher eine Hütte, denn ein Haus, sehr karg und einfach eingerichtet. Man kann sich nicht vorstellen, dass hier fünf Personen je zwei ein halb Jahre leben mussten, bis sie abgelöst wurden. Und das in einer Gegend, in der es monatelang völlig dunkel ist.
Am südlichsten Punkt unserer Reise auf 66 Grad Süd, gibt es bei Schneetreiben ein Glas Sekt auf Deck. Anschließend trotz Null Grad und Schneeregen eine Grillparty mit anschließendem Tanz bis spät am Morgen.
Dann geht es nach Peterman Island. Hier leben Adeliepinguine. Mit ihren ganz schwarzen Köpfen sind sie sicher die eleganteste Pinguinart. Ihr Entdecker hat sie denn auch nach seiner schönen Frau Adelie benannt. Aber auch sie kennen nur eine Leidenschaft, wie auch die andern beiden Arten, die Esels-und Zügelpinguine, die wir bisher gesehen haben: Das Steineklauen. Ihre Nester bauen sie aus Steinen, und da sie zu faul sind, sie in der Umgebung zu sammeln, wird einfach beim Nistnachbarn zugegriffen, wenn er oder sie nicht aufpasst.
Bei wunderschönem Wetter segeln wir durch den Lemaire Kanal zurück, und diesmal passiert es: Vor uns treiben zwei mächtige Eisklötze so rasch zusammen, dass wir nicht mehr durch kommen. Da wir wenig Segel tragen wir das Schiff ganz sanft gestoppt. Jetzt hilft nur noch die Dieselmaschine. Und tatsächlich, ganz langsam gelingt es, mit der starken Dieselmaschine die Eisbrocken soweit zur Seite zu schieben, dass wir gerade durchschlüpfen können. Hinter uns schließt sich sofort wieder das Eis. Ein dramatischer Augenblick, der schlagartig zeigt, dass die Sorge unseres Kapitäns, bei den derzeitigen Eisverhältnissen nicht mehr durch diesen engen Kanal zurück zu kommen, berechtigt war.
Wir erreichen den breiteren Peltier Kanal und laufen ein in eine wunderschöne Naturbucht. Wir sind in Port Lockroy. Dies ist der wohl bekannteste Ort in der Antarktis, da auch große Kreuzfahrtschiffe in der weiten Bucht ankern können. Seit 1944 gibt es hier eine britische Station, ursprünglich eingerichtet, um Aktivitäten der Deutschen im Zweiten Weltkrieg zu beobachten. Heute wird hier von zwei Briten das südlichste Postamt der Welt betrieben, und es gibt eine kleine Führung durch die noch originalgetreu eingerichteten Räume der ehemaligen Station.
Port Lockroy liegt schon auf 64 Grad Süd, und jetzt geht es rasch zurück nach Norden zu unserem Ausgangpunkt Ushuaia an der südlichsten Spitze des südamerikanischen Festlandes.
Über Dorian Bay und den Neumayerkanal, genannt nach einem berühmten deutschen Antarktisforscher, erreichen wir die Melchiorinseln. Auf unserem letzten Landausflug sehen wir endlich das gefährlichste Raubtier der Antarktis, den inzwischen seltenen Seeleoparden. Im Schneetreiben liegt er auf einer Eisscholle, gute vier Meter lang mit spitzen, fast haiähnlichem Raubtiergebiss. Mit einem gewaltigen, gelangweilten Gähnen zeigt er uns seine nadelscharfen Dolchzähne. Er ist der Schrecken der Pinguine, die er mit Vorliebe und in großer Zahl verspeist.
Zurück auf der Drakestraße. Diesmal „nur“ acht Windstärken, aber dafür dichter Schneefall und Temperaturen um minus 2°Celsius. Alles ist gefroren und das Segelsetzen oder Bergen ist mühsam, zumal man nicht mit Handschuhen arbeiten kann. Die Rudergänger lösen sich alle halbe Stunde ab. Länger kann man es in dem beißend kalten Wind auf dem völlig offenen, ungeschützten Steuerstand nicht aushalten. Erstmals auf dieser Reise sind wir froh, wenn unsere vier Stunden Wache vorüber sind. Aber nach zwei Tagen ist der Spuk vorbei. Mit dem besseren Wetter lässt uns der Wind im Stich. Die letzten ein ein halb Tage müssen wir unter Motor zurücklegen. Damit gibt es auch keine Hoffnung mehr, doch noch am Kap Hoorn vorbei zu fahren, um es wenigstens von Ferne zu sehen. Der Umweg unter Maschine wäre zu groß.
Am 19.Tag unserer Reise sind wir wieder im Beagle Kanal.
Es war mehr als eine Reise, es war ein kleines Abenteuer. Fast wie in alter Zeit sind wir auf einem Rahsegler gesegelt und haben eine der aufregendsten Gegenden der Erde hautnah erlebt.
|