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| Mit einem Charterschiff zu den Azoren (Reinhard Beer) |
von Mallorca-Gibraltar nach Horta/Azoren 1 753 sm - 24.09. - 15.10.2005 - Schiff: Bavaria 49 Baujahr 2003 - Cienfuegos -
Meine Clubkameraden runzelten die Stirn, na ja, mit einem Segelboot, das im Sommer nur von Chartergästen rund Mallorca gesegelt wurde, zu den Azoren zu segeln, also ca. 1200 sm Atlantik, ob das wohl gut geht? Es ist meine 3. Reise zu den Azoren. Die ersten 2 Reisen (mit Eignerbooten) startete ich jeweils in Amerika, also die klassische Route, jetzt sollte die Reise mit einem Charterboot und gegen den üblichen vorherrschenden Westwind gehen. Ein Ziel der Reise war auch, dass wir unser Bild in Horta wieder auffrischen wollten. Die Charterfirma ARGOS-Wiesbaden hat weltweit gute Kontakte und vermittelte uns "Alboran Charter, Mallorca". Alboran hat auch Stützpunkte auf Teneriffa und Kuba, d.h. es werden auch Segelboote für die Wintersaison dorthin überführt. Unser Schiff sollte nach Teneriffa gesegelt werden, also für uns der richtige Partner. Die Vorbereitung: Als Ausbildungswart beim SCR in Walluf, versuche ich neben den üblichen Ausbildungen auch den Nachwuchs zum See- u. Hoch-seesegeln zu begeistern und ihn dann zu fördern. Deshalb gab es auch keine Probleme, geeignete Crews zu finden. Dabei stellte ich fest, dass sich Jugendarbeit lohnt. Doris Schmidt, unser jüngstes Crewmitglied mit SHS, erarbeitete mit mir gleich einen "Aufbaukurs zum Hochseesegeln und Astronavigation zum Anfassen", den wir vom 11.04. - 23.05.05, als Vorbereitung zu diesem Törn durchführten (siehe Anlage). An weiteren gemeinsamen Abenden wurden die Aufgaben verteilt, die Törnstrecke besprochen, Ausweichhäfen festgelegt, Seekarten und weiteres Info-Material besorgt sowie ein Wachplan und die wichtige Proviantliste erstellt. Navigation: Koppelnavigation (Seekarte), Kartenplotter, GPS und Sextant Seewetterberichte: DWD über KW-Empfänger mit SSB, PC und Drucker für Wetterkarten (siehe Wetterunterlagen) Törn 1 Mallorca-Formenterra-Estepona-Gibraltar 513 sm Skipper: Reinhard Beer, Co-Skipper: Ludwig Klein Doris Schmidt, Rüdiger Feiler, Dr. Andreas Waldschmidt Jens Blumenthal, Tobias Pauly, Axel Hachenberger Törn 2 Gibraltar-Port Sherry-Horta/Azoren 1240 sm Skipper: Reinhard Beer, Co-Skipper: Ludwig Klein Doris Schmidt, Rüdiger Feiler, Herbert Beyer, Joachim Schricke, Wolfgang Kammer, Ralf Thiele Schiffsübernahme: Am 24.09. führten wir eine aufwendige Schiffsübernahme durch. Wir checkten alles gründlich durch, prüften ganz besonders die Ruderanlage und den Autopilot, der bei Ausfall der Über-tragungsteile noch die Steuerung neben der Notpinne über-nehmen sollte, sowie das Rigg und die Kielbolzen. Dann entdeckten wir einen Holzpfropfen in der Bordwand!! Hier wurde von einer Crew ein abgebrochenes Bordventil abgedichtet und nicht wieder repariert, d.h. auch wahrscheinlich nicht dem Vercharterer mitgeteilt, was für eine Seemannschaft!! Auch der Gasherd musste aus ähnlichen Gründen erneuert werden. Durch noch weitere Reparaturen war die Alborancrew richtig gefordert. Zum Schluss installierte der Vercharterer noch eine Internetantenne, was für uns mehr Sicherheit bedeutete. Von den Sicherheitseinrichtungen (siehe Logbuch) waren wir positiv überrascht, sie wurden von uns noch durch 2 Überlebensbehälter und Streckgurte im Cockpit ergänzt. Törn der östlichen Winde Durch diese gründliche Übernahme des Schiffes und die Ein-weisung der Crew, konnten wir erst am 25.09. gegen 17.30 Uhr auslaufen. Der Wetterbericht kündigte für die Nacht eine Gewitterfront an, die wir dann auch um Mitternacht durchlebten und für den Rest der Woche wurde uns ein starkes Hoch mit nordöstlichen Winden vorhergesagt. Wir planten einen kurzen Stopp an den Sandstränden von Formenterra ein und nahmen dann Kurs auf unser 1. Etappenziel "Gibraltar" auf. Der Wachplan regelte das Bordleben, der Smut überzeugte durch vorzügliches Essen und die nordöstlichen Winde bis 30 kn brachten uns bei Raumschotkursen schnell voran. Kurz vor Gibraltar hatten wir den ersten größeren Schaden, es musste die Genua gründlich überarbeitet werden, diese Arbeit erledigten wir in Estepona. Den Europa Point umrundeten wir stilvoll mit einem Glas Champagner und erreichten rechtzeitig Gibraltar am 30.09.05. Die Straße von Gibraltar ist immer wieder ein navigatorischer Leckerbissen, bedingt durch die unterschiedlichen Stromrichtungen zur gleicher Zeit und dem Verkehrstrennungsgebiet mit zahlreichen Schiffsbewegungen, besonders in der Nacht. Wir arbeiteten mit dem "The Straits Sailing Handbook 2005" und konnten damit die genaue Startzeit und den Kurs festlegen. Unsere Auslaufzeit wurde für 16.00 Uhr festgelegt und wir wählten den Kurs dicht unter Land nach Tarifa zum Cap Trafalgar und setzten dabei unser Radar ein. Bedingt durch den starken Ostwind (7 Bft) und Gezeitenstrom erreichten wir schon die engste Stelle Tarifa gegen 19.00 Uhr und näherten uns dem offenen Atlantik mit stellenweise 12 kn Fahrt über Grund. Es war ein tolles Erlebnis, an der Stromkante so schnell zwischen Europa und Afrika in dem tiefen Atlantik zu segeln. Starke Knackgeräusche! Die hohen Wellen, stellenweise auch quer laufende Wellen, waren die Ursache, dass unser Ruder an der oberen Lagerung lose wurde und starke Knackgeräusche verursachte. Die Schlitzschrauben konnten nicht mehr festgezogen werden. Die Entscheidung, bei der schnellen Fahrt in Richtung Azoren, den Kurs zu ändern und nach Cadiz zu segeln, ist mir nicht leicht gefallen, war aber aus Sicherheitsgründen unbedingt notwendig. In Port Sherry wurde der Schaden durch stärkere Schrauben mit Muttern behoben, nach 4 Stunden Pause nahmen wir wieder Kurs zu den Azoren auf. Bei schwachen östlichen Winden musste jetzt leider unser Motor eingesetzt werden. Unser Kraftstoffvorrat nahm stark ab und somit wurde jede sm unter Segel begrüßt. Gitarrenmusik zur Sherrytime (11.00 BZ) und zum Sonnen-untergang, Badestopp mit Atlantiktaufe mitten auf dem Atlantik und "Sonne schießen" mit dem Sextanten, lockerten das Bordleben auf. Nach 3 Tagen entdeckten wir ganz aufgeregt in der Wetter-karte vom DWD ein Tief - gleich ein Sturmtief - über den Azoren mit der Zugbahn nach SE. Laut unserer Position konnten wir mit SE-N Winden rechnen und befanden uns somit auf der sicheren Seite des Sturmtiefs. Das Sturmtief zog nach Madeira und dann weiter nach Portugal. Wir segelten überwiegend mit den erhofften Winden von SE-N, nur die Kaltfronten von nördlich gelegenen Tiefs, die jetzt zunahmen, zeigten sich nicht mehr so kameradschaftlich. Jetzt wurde der Törn zu einer richtigen Herausforderung, die Wetterkarten waren uns dabei sehr nützlich, wir konnten durch den Isobarenverlauf den Wind gut vorausbestimmen.
Sicherheit: Zum Törnbeginn wurden vor Ort eine gründliche Einweisung und Aufgabenverteilung vorgenommen sowie die üblichen Sicherheitsmanöver durchgeführt. Außerdem war festgeschrieben, dass bei Eintritt der Dunkelheit grundsätzlich und am Tage bei schlechtem Wetter die Rettungsweste mit Lifebelt und Nico-Signal getragen werden musste. Ferner war ausschließlich die Benutzung der Bordtoilette angesagt! Wetter: Ein Hochdruck über dem Atlantik (Azorenhoch) und Mittelmeer lieferte uns die östlichen Winde. Erst in der letzten Woche mussten wir uns mit Tiefdruckgebieten und Kaltfronten befassen, die immer zahlreicher anrückten und den 40. Breitengrad überquerten. Crew: Nach meiner Erfahrung hat sich auch hier wieder eine "gemischte Crew", d.h. Mitsegler unterschiedlichen Alters sowie verschiedenen Berufsrichtungen auf diesen langen Törn bestens bewährt, wobei die psychische Komponente, das seglerische Können und das technische Verständnis sowie die gute Versorgung durch den Smut Voraussetzung waren. Fazit: Mit dem Charterboot auf dem Atlantik, ja es ist möglich. Es geht bestimmt nicht mit jedem Vercharterer. Unser Schiff war als Charterschiff für diesen Törn gut ausgerüstet, besonders was die Sicherheit betraf. Die Probleme, die wir hatten, waren überwiegend auf die fehlende Seemannschaft der Vorcrews zurückzuführen, die die Schäden dem Vercharterer nicht gemeldet hatten, lt. Vercharterer nimmt dieses negative Crewverhalten leider zu. Diesbezüglich muss ein gründlicher Schiffscheck durchgeführt werden, und dafür sollten 1-2 Tage eingeplant werden. Dieser Atlantiktörn war eine erfolgreiche und harmonische Reise, bedingt durch die gründ- liche Vorbereitung und die her- vorragenden Crews.Allen ein herzliches Dankeschön Reinhard Beer, im Oktober 2005 |








Die letzte Herausforderung kurz vor unserem Ziel Horta war ein Sturmtief 976 nördlich der Azoren, das sich zu einem Hurrikan 968 entwickelte. Die erste Azoreninsel, Sao Miquel, erreichten wir bei Sonnenaufgang am 10.10. und Horta bei Sonnenuntergang am 11.10. In der Nacht vom 12/13.10. erreichte uns im Hafen dann auch der Hurrikan, allerdings nur als Ausläufer mit 11 Bft. Unsere Ankunft feierten wir bei "Peter" Cafe Sport mit herrlichen Gitarrenklängen von Schmuddel und Rüdiger. Unser Fahrtenseglergrundstück vom SCR wurde wieder aufgefrischt und ergänzt, am Sonntag nahmen wir Abschied von "unserem Horta" und flogen, nach der Schiffsübergabe an unseren Clubkameraden Ludwig Klein, über Lissabon nach Hause. Ludwig Klein segelte das Schiff mit seiner Crew von Horta über Madeira nach Teneriffa.